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Tanzania 2009 – das Tagebuch erzählt (in Auszügen):

Ihr Lieben,

ich weiß noch genau, wie ich heute Mittag aus der Schule heim bin, meine Tasche gepackt habe und schon total gespannt war, was mich erwartet. Besonders aufregend war natürlich, dass ich die Leute nicht kannte. Die Menschen, mit denen ich nächsten Sommer vier Wochen verbringen werde.

Diese Hürde wäre geschafft! Eine buntgemischte Gruppe, die ich aber jetzt schon lieb gewonnen hab!

Doch immer noch herrscht Gefühlschaos:

Plötzlich ist der Traum ein Teil Wirklichkeit geworden. Plötzlich ist es alles zum Greifen nahe. Ich glaube, ich brauche noch etwas Zeit, bis ich das alles wirklich realisiert hab. Zum einen freue ich mich nach wie vor tierisch, dass ich die Chance bekommen habe, mitzufahren. (…)

Ich habe tausend Fragen im Kopf, die ich nicht in Worte fassen kann. Viel zu viele Frage, die ich nicht beantworten kann. Ab jetzt heißt es:

Ab ins Abenteuer! (…)

 

Ihr Lieben,

War das ne Fahrt!? War der Flug schon spannend was ist das gegen die tansanische Zuglinie.

Ich war heute morgen nochmal mit beim Einkaufen – (…)

Dar es Salaam – die Stadt der Gerüche. Wo man Orangen riecht bevor man sie sehen kann – ich war begeistert. Da wurde auch der Sommerregenguss zum Erlebnis. (…)

Schon am Bahnhof wurden wir mit unerwarteter Herzlichkeit empfangen. Zumindest wurde mir gleich ganz warm ums Herz und viel Angst genommen. Nach dem super-leckeren Frühstück im kuschligen Restaurant ging es weiter zum Bauprojekt der letzten Begegnung, dessen Entwicklung doch beeindruckend war. In Njombe wurden wir zwar herzlich aber für mich verblüffend offiziell empfangen. Diese hierarchischen Strukturen haben mich gerade in der Jugendarbeit verwundert. Der Weg: ein Abenteuer. Die Schlaglöcher: beeindruckend. Der Driver: sau cool ringsum gefahren.

 

Der Empfang am Jugendhaus hat das Fass für so ziemlich alle fast zum überlaufen gebracht, wie die Tränen in den Augenwinkeln belegten. Die anderen Jugendlichen haben so viel für uns gesungen und getanzt, wir wurden in einem Zug aus Rhythmus und Freude ins Gebäude geführt und wieder offiziell empfangen. Sicherlich fiel es nicht nur mir (trotz Vorbereitung) leicht, den Jugendlichen beim Schleppen unseres Gepäcks zuzusehen und beim „Hallo sagen“ waren wir doch alle sehr nervös – aber es hat funktioniert. (…) Beim ersten Sprachaustausch wurde viel gelacht und der Erstkontakt viel leichter. Jetzt freue ich mich darauf, wenn wir dann auch bei alltäglichen Dingen dabei sein dürfen. (…)

 

Hey ihr Lieben!

Immer noch fix und fertig von der Reise, den vielen Eindrücken und dem vielen Neuen, hat es heute keiner geschafft für die Morgenandacht um 7Uhr aufzustehen. (…) Danach ging ess dann für uns „Mzungus“ zur Secondary School. (…) Dann hat der Direktor uns in sein Haus eingeladen und Aussagen wie „… wenn wir alle zu Hause sitzen bleiben lernen wir nichts voneinander und der Welt …“ oder „… man kann nichts über ein anderes Land sagen, wenn man es nicht selber erlebt hat …“ fand ich super schön und passend. (…) Wieder zu Hause angekommen haben wir noch etwas gechillt und dann auch schon Abendgegessen. Dank der Lieder wie „Ponysong“ oder „Jesus gave it to me“ oder den riesen Elefanten, die wir auf dem Weg zur Gesundheitsstation gesungen und getanzt haben, sind wir uns einen großen Schritt näher gekommen. Das haben wir am Abend gleich weiter geführt und die Mischung von afrikanischen und deutschen Liedern ist wohl die schönste Art von Kommunikation. Die Leidenschaft mit der gesungen und getanzt wurde fand ich wahnsinnig beeindruckend und war sofort mitgerissen. Ich freu mich schon auf die kommenden Tage und viele lustige Abende. We are marching in the light of God – Asante,

 

Gut(en) Tag!

Endlich!: Ein Tag für uns, das heißt kein neuer Stoff zu verdauen, zumindestens nicht so viel, sondern Zeit zum verarbeiten der bisherigen Erlebnisse.

Morgens: Wie immer. Wobei da war was, wir haben verstanden worums in der Andacht ging – die war auf deutsch – und das dank Nasa, der einen wunderschönen Start in den Tag für uns in seiner Predigt vorbereitet hat.

Vormittag-Nachmittag: Abschalten; Waschen – sich, Kleidung; Spiele; Spaß; Shoppen am Wandermarkt, der einzige wirklich neue Input des Tages – großer Markt, viele Menschen, tolle Sachen – Stoffe, Krimskrams, Körbe.

Abend: Ugali, Bohnen, Erbsen, Kohl; Rosenlup-Chor; Singen; Tanzen; müde – Bett; nicht müde (4) – weitersingen; müde – Bett.

 

Langsam gehts dem Ende zu & wir nehmen die letzten „Hürden“. Auch heute pures Abenteuer – was wären wir ohne unsere gute alte Karre. Wär ja langweilig einfach nur konsequent in Njombe an zu kommen!

Zumindest für gewisse drei von uns wars bissl stressig mit der frühen Abfahrt, aber schließlich hatten wir ja ein Ziel: GoDi, Priesterweihe, Schokolade. Korrigiere: drei Ziele =) Das Wetter hat es gut mit uns gemeint, das Auto auch & ließ uns erstmal voll motiviert nach 2/3 der Strecke zum Sonnenanbeten liegen. „Rumms“-aus-kurz rollen-Stille. Saßen 7 wazungu am Straßenrand, einer war im falschen Auto: Anja. Und wir haben sie durchaus sehr vermisst- Sie uns auch, denn die Tansanis haben typisch tansanische Aussagen gemacht & so saß die kleine mzungu am Straßenrand & wartete … & wartete … „Di Di Di – die kleine Anja möchte bitte aus der Pampa abgeholt werden! Achtung, Achtung, ich wiederhole …“

Tangazo, Tangazo! – denn diese Tansanis sind nicht so verplant wie man oft meint. Erst hat uns der Driver vom anderen Auto, der Gute, abgeschleppt bis zur nächsten Ortschaft. Es folgte ein kurzer Versammlungsmoment und hilflose Sonnenanbeter. „Rumms“ lief der Karren wieder & wir kamen auch nur 2 Stunden später an als geplant. Der Form halber ein schnelles – und ich meine: wirklich schnelles – Frühstück & dann wurden wir schon in die Priesterweihe geschleust. Wenn man dann mal begriffen hatte, dass die da vorne – diese Menge – nicht alle geweiht wurden, waren auch die lediglich 4 Schwüre sehr schön mit zu erleben. Und diese überraschten Gesichter, dass Weiße auch tanzend zum Gratulieren ringeln — ich fands sauschön. Der Gruppenpuls ging nochmal kurz in die Höhe als es ums Singen ging. Aber danach waren wir so stolz! =)

Alle haben ordentlich mitgesungen & ihr Bestes gegeben. Letzlich wars schmerzlos & einfach schön. Lange Bummeln war dann nicht mehr. Hauptsache Auto läuft, d.h. schieben, tanken, schieben, schokolade kaufen … richtig: schieben. Sogar eine kurze Krimieinlage gabs, wo ist das andere Auto? Und der Driver? Der hatte einen Unfall mit nem Radfahrer gebaut (zum Glück keine wirklichen Schäden wie sich raus stellte), war also schwer beschäftigt & uns wurde der Vortritt gelassen mit der ersten Fuhre möglichst noch bei Licht mangels Scheinwerfer heim zu fahren nach Lupembe. Kurzer Wettlauf mit der Sonne, prima gelöst von Nasa & Felix im Wechsel. Und als die Tansanis mit einer Stunde Verspätung ankamen haben sie GESUNGEN! War echt prima, wollen wir uns daran mal wieder ein Beispiel nehmen. Also ein Tag mit Abenteuerfeeling, viel Spaß & wunderschönen Erfahrungen. Mal wieder. =)

Morgen auf ein Neues.

 

Langsam werden aus den Tagen nur noch Stunden und unsere Gedanken nähern sich schon Richtung Abschied. Doch der letzte Tag sollte nochmal ein richtig schöner werden …

(…) So wurde uns schmerzlich bewusst, dass so ziemlich alles was wir machen heute das „letzte“ Mal sein wird … vorerst. Nachdem die Sachen erledigt waren, machte sich die Rosenlup-Gruppe auf zu einem letzten Ausflug. Es ging zu einer alten (geschätzte 200 Jahre) Hängebrücke. Alleine der Weg dahin war schon gigantisch schön, aber dann die Brücke mit der Landschaft wie aus einem Bilderbuch, machte mich persönlich sprachlos. Die Atmosphäre und die wunderschöne Aussicht hat uns alle nochmal dazu veranlasst in Gedanken zu schwelgen und sich die letzten Wochen nochmal durch den Kopf gehen zu lassen oder auch über zu Hause nachzudenken. (…)

Ein wirklich gelungener Abschluss!

Wieder „zuhause“ angekommen haben wir noch ein letztes Mal Wäsche gewaschen, gepackt oder Adressen ausgetauscht. Den letzten Abend haben wir dann noch lange getanzt, gesungen und geredet, emotional schon sehr angespannt, wie soll das nur Morgen werden. Wir haben uns in der Zeit alle sehr lieb gewonnen und das hat man heute gespürt.

Also Lupembe von mir noch ein Asante sana und ein letztes Lala Salama!

 

Home, sweet home.

Der erste Tag + die erste Nacht im vertrauten(?) Rosenheim liegen hinter mir! Und ich fühl mich einfach nur FREMD! Ich suche immer noch nach der dunklen Hautfarbe und fasse es immer noch nicht, dass ich hier jeden verstehe! Auch wenn ich Dusche, Bett & Essen genossen habe und nicht missen will, ist mein Kopf noch total in Afrika! Als wir an einem der ersten Abende in Lupembe Reflexion hatten und der Felix meinte, „er ist einfach froh, wieder zuhause zu sein“, konnte ich mir nicht vorstellen, Lupembe mal als zuhause zu sehen. Aber je länger wir da waren, desto vertrauter wurde alles und ich hab Lupembe als Zuhause erlebt. Deswegen tat der Abschied umso mehr weh! Vorallen, weil ich bei manchen einfach nicht weiß, ob und wenn wann ich sie wiedersehe! Ich brauche noch bis ich im deutschen Trott wieder drin bin und bis dahin habe ich viele Bilder im Kopf, viele Gefühle und viele Erinnerungen, die mir bleiben.

Und 7 andere Menschlein, denen es bestimmt so ähnlich wie mir geht! (…)

HändeI

 

 

Auszüge aus dem öffentlichen Tagebuch der Tansaniadelegation 2009